Mittwoch, 12. Oktober 2016

Plötzlich Herbst

Gerade zweieinhalb Wochen ist es her, dass der Garten für Besucher geöffnet war und er hätte sich kaum besser präsentieren können. Herrlichstes Spätsommerwetter, die Astern und Gräser nahezu in Vollblüte, ein Meer aus Herbstkrokussen unter dem Apfelbaum. 
In nahezu jedem Gartenteil zeigten sich die Stauden ansehnlich und ließen sich von der Trockenheit der vergangenen Wochen kaum mehr etwas anmerken (einem kräftigen Gewitter in der Vorwoche sei Dank). Für einen kurzen Moment wirkte es geradezu inszeniert, als die Grünspechte durch den Garten sausten und das Eichhörnchen über den Besuchern durch die Bäume turnte.
Ich konnte mich selbst kaum sattsehen am Blüten- und Farbspektakel und so waren auch die 330 Gäste, die an diesem Wochenende den Garten besuchten, voll des Lobes. "Bei solch einem Garten kann man doch gar nicht mehr in Urlaub fahren!" hörte ich mehrfach. "Doch - in drei Tagen geht der Flieger." war meine nüchterne Antwort. 

Astern- und Gräserimpressionen

Herbstkrokusse - Crocus kotschyanus und speciosus

Aster 'Kylie'

Astern- und Gräserimpressionen

Aster 'Wineflower' vor Miscanthus 'Aldebaran'


Beinahe etwas wehmütig ging es dann tatsächlich in den Urlaub. Es blieb die nicht unbegründete Hoffnung, dass sich bei Rückkehr zu diesem herrlichen Blütenzauber auch die Herbstfärbung der Gehölze gesellen würde, immerhin zeigten Scheinkamelien (Stewartia), Schneebälle (Viburnum) und einige Hartriegel (Cornus) schon die ersten roten und gelben Farbtupfer.

Und dann sah es doch etwas anders aus. Aus dem Spätsommer war in nur wenig mehr als einer Woche tiefster Herbst geworden. Einstellige Temperaturen, trüber Himmel, Nieselregen – das Begrüßungswetter hätte kaum unfreundlicher ausfallen können, wenn man die vergangenen Tage unter kanarischer Sonne bei 31 Grad genießen durfte. Sofa-Wolldecken-dicke-Socken-Glühweinwetter würde so mancher wohl sagen. Dementsprechend präsentierte sich dann auch der Garten bei einem ersten Rundgang:
Vom Regen zu Boden gedrückte Astern, auseinandergefallene Gräserhorste, verklebte Blütenblätter, dazu ein Wetter, bei dem die letzten Herbstkrokusse sich weigerten, ihre Blütenkelche zu öffnen. Manche Gehölze beginnen mit dem Laubabwurf, noch bevor es überhaupt zu färben beginnt.
Es ist auch die Zeit, in der es bereits leiser wird. Die Zugvögel haben sich bereits aus dem Staub gemacht, das Summen der Bienen und Hummeln fehlt und der Regendunst verschluckt viele der verbliebenen Geräusche.

Ich bin zu dieser Jahreszeit hin und her gerissen, zwischen diesen stillen, andächtigen Gartenmomenten und der Gewissheit, dass wieder ein Gartenjahr ein Ende hat.

"Ein Ende? Ja und nein. Ja, weil der Moment, in dem ich die Tomaten und Paprika abernte, die Früchte zum Nachreifen ins Warme bringe und die Pflanzen durch den Häcksler jage und kompostiere, alle Jahre wieder scheußlich ist, weil Herbstblues und Ende und Verfall und ach. 
Nein, weil die ersten Schneeglöckchen treiben und die Hamamelis dicke Knospen haben und damit zeigen, dass es kein Ende gibt, sondern nur eine weitere Runde im ewigen Kreislauf. 
Und nein, weil dieses frostfreie, feuchtmilde Wetter perfekt ist, um neues anzugehen und zu graben und umzupflanzen und überhaupt. Ich red mir grad den Herbstblues schön."

Das war die Antwort einer Gartenfreundin auf meine vorstehende Aussage. Und du hast Recht, liebe Conni!

Durch die Herbstbrille sieht dann vieles auch schon anders aus. Da ist der Garten nicht mehr verregnet, sondern die Pflanzen mit Wassertropfen dekoriert. Und der Herbst wäre nicht der Herbst, hätte er nicht diese trüben Tage, an denen sich die Staudenpracht noch einmal zu verneigen scheint und der schwere Duft von Herbstlaub in der Luft liegt. 

Aster 'Artcurus' mit Pennisetum

Parrotia subaequalis mit Verbascum

Calamagrostis brachytricha 'Korea' mit Astern und Persicaria


Crocus speciosus 'Albus'
 
Selten sieht man zudem deutlicher als jetzt, welche Staude noch von jenem Platz auf einen anderen ziehen sollte, wo tatsächlich noch eine Lücke im Beet ist oder wo generell umgestaltet werden sollte. Das Gute daran: man kann sofort zur Tat schreiten – die Zeit ist günstig für die meisten Umpflanzaktionen! Und – wir erinnern uns – da war ja noch was mit dem Topflager. Ja, da stehen noch immer einige Pflanzen vom letzten Staudenmarkt und warten auf ihren Einsatz beim Pflanzentetris.

Auch wenn man im Garten in dieser Zeit eigentlich zu einem (vorläufigen) Ende kommen möchte, was die Pflanz- und Umpflanzarbeiten betrifft, sollte man sich doch noch einmal ans Frühjahr zurückerinnern. Die schönen Tulpen in Nachbars Garten, die leuchtenden Narzissen, die man bei Bekannten sah oder die Krokuswiese, die man so gerne nachpflanzen wollte. Dann heißt, es den inneren Schweinehund noch einmal zu überwinden und sich an die Arbeit zu machen, denn wer sich im Frühjahr an den Blüten erfreuen will, muss genau jetzt ranklotzen und die Zwiebeln versenken - und dabei wirklich klotzen, anstatt zu kleckern! Wenn wir im Frühjahr den überwiegend blütenlosen Winter hinter uns gelassen haben, gibt es kaum etwas belohnenderes und motivierenderes, als das Gartenjahr mit üppiger Frühblüherpracht zu eröffnen. In diesem Fall ist "viel" ausnahmsweise mal mehr!

Neue Tulpenfeuerwerke habe ich für das nächste Jahr nicht geplant. Aber in das Wiesenstück, das stets erst im Sommer gemäht wird, sind in den letzten Wochen, neben mehr als 400 Elfenkrokussen, dutzende Prärielilien (Camassia) eingezogen.
Und zum Glück wurde ich erinnert, dass im neuen Birkenhain noch Schneeglöckchen Einzug halten sollten. Wir erinnern uns: nicht kleckern, sondern klotzen. 1.000 Stück sind es für den Anfang, die in der Erde wollen. Auch wenn mir allein beim Anblick der vielen Zwiebeln bereits der Handballen schmerzt, sehe ich es positiv: Es ist keine lästige Pflicht, sondern eine große Kiste Vorfreude auf den Frühling, die ich pflanzen werde. 

Galanthus elwesii

In diesem Sinne, genießt den Herbst, schaut nochmal durch den Garten und greift ruhig hier und da noch einmal zum Schippchen. Und wer weiß schon, ob der Spätsommer nicht doch nochmal an dem einen oder anderen Tag vorbeischaut, um einen Blick auf das geschaffte zu werfen.







Eins noch, da die Abende wieder länger und reicher an Lektüre werden:

Im Sommer bereisten Simone Quast und Gianni Bombèn vom Schweizer Magazin Herbarella Brandenburg und machten auch im Schlosspark Wiesenburg Halt. Unser Parkleiter gab den Impuls, bei dieser Gelegenheit auch meinen Garten zu besuchen.
Wenngleich ich bei der Anfrage nicht im Ansatz mit einer solchen Resonanz rechnete, ist in der aktuellen Ausgabe, Journal 36 "Gartenland Brandenburg" ein Beitrag zu meinem Garten erschienen. Es macht stolz, dass meine Art zu gärtnern begeistern kann und ihr Ergebnis eine solche Würdigung erfährt. Vielen Dank dafür!

Mittwoch, 14. September 2016

Von Beutekisten, Topflagern und Pflanzentetris

"Du hast schon so lange nichts mehr geschrieben!!!" Drei Tage ist es her, dass mich eine verzückte Gartenbesucherin diesbezüglich ermahnte. Recht hat sie! Da hilft auch alle Rechtfertigung nichts, dass gerade Gartensaison ist und wenig Zeit und Muße bleibt, ein paar Zeilen auf's Papier zu bringen. Gehen einem doch gerade in dieser Zeit so viele Themen durch den Kopf, zu denen man sich auslassen könnte. Eines ist gerade wieder derart aktuell, dass es mir nun doch unter den Nägeln brennt:

Diese Sache mit den Beutekisten, den Topflagern und dem Pflanzentetris!

Naturgemäß zählen die meisten Pflanzenverrückten ja zu den Jägern und Sammlern. Kaum etwas hat eine größere Anziehungskraft als die derzeit landauf, landab stattfindenden Staudenmärkte. Ist einer davon vorbei, fiebert man dem nächsten bereits sehnsüchtig entgegen. Eifrig wird das Ausstellerverzeichnis studiert, lange Listen mit Vorbestellungen geschrieben, sehnsüchtig der Bestätigung entgegengefiebert, dass auch alles mitgebracht wird und die Tage heruntergezählt, bis der Markt tatsächlich stattfindet. Die Vorfreude auf Weihnachten kann kaum größer sein, schließlich gibt es mit Sicherheit keine Socken oder selbstgestrickte Pudelmützen!

Wer nun meint, Vorbestellungen würden dazu führen, dass man so einen Markt ganz entspannt besuchen und sich unter das flanierende Volk mischen könnte, der irrt. Und zwar gewaltig!
Bösartig, wie Staudengärtner und Baumschuler nunmal sind, haben sie in der Regel zahlreiche Schätze dabei, die noch so neu oder überhaupt so rar sind, dass sie noch gar keinen Einzug in die Listen gefunden haben. Hier und da wartet vielleicht die Sorte, die schon so lange auf dem Wunschzettel steht, was es selbstredend schnellstmöglich zu überprüfen gilt.
Die Kenntnis dieses Umstandes und die Gewissheit, dass das auch allen anderen Jägern und Sammlern bewusst ist, führt dazu, dass man sich noch deutlich vor Beginn der Öffnungszeit neben all diesen anderen Verrückten in langen Schlangen wiederfindet – Jäger unter sich halt.

Losgelassen auf die Stände der Händler ließen sich in der Folge ausführliche Studien zu menschlichen Greifreflexen und zum Klammerverhalten der Spezies "Pflanzenjäger" durchführen. Gut trainierte Exemplare sind in der Lage, mit jeder Hand mindestens vier Töpfe festzuhalten und gleichzeitig weitere erspähte Beuteobjekte durch körperliche Abschirmung vor dem Zugriff der Konkurrenz zu schützen. Bestenfalls fragt man die umstehenden Beutegreifer nebenher ganz unauffällig aus, an welchem Stand sie denn dieses und jenes Schmuckstück aufgestöbert haben, dass sie bereits selbst mit sich führen.  Auf gut besuchten Märkten kann man sich durch aufmerksames Beobachten auch schnell erschließen, woher der Begriff "Ellenbogentaktik" kommt. 

Erfahrungsgemäß kann das beschriebene Jagdverhalten über mehrere Stunden anhalten. Im Normalfall nehmen die Symptome erst ab, wenn auch der letzte Stand und die letzte schwarze Pflanzenkiste auf deren Inhalt inspiziert ist. Überhaupt – schwarze Kisten! Die Schatzkiste der Staudenjäger, Heimstatt potentieller Beutestücke, das Ü-Ei des erwachsenen Pflanzenjägers.
Sie sind - so man ihrer habhaft wird - auch hervorragend geeignet, die eigene Beute zu verstauen. Hin und wieder reichen sie jedoch nicht aus, so dass für den Abtransport weitere Tragetaschen erforderlich sind. 



Anzahl und Füllgrad derselben steigen mit der vermeintlich zur Verfügung stehenden Gartengröße geradezu exponentiell an. An dieser Stelle beneide ich hin und wieder die Besitzer kleiner Gärten, denen die Beschränkung und Selbstbeherrschung mangels Platz deutlich einfacher fällt, denn weiteres Ungemach droht, wenn man mit der Beute wieder den heimischen Garten erreicht hat: Das Topflager!

Da stehen sie zahlreich: Obdachlose Kindlein, die sich nach einem Zuhause im Beet sehnen, für die aber gar kein rechter Platz ist und die überhaupt nur da sind, weil das andere Ich vom Planthording besessen ist und nur immerfort säuselt "nimm mit, da findet sich schon ein Eckchen für", wann immer einem schönes Grünzeug bei einem der Märkte mutwillig vor die Füße springt oder einem Kräutlein begegnen, von denen man der überzeugten Meinung ist, dass man sie schon immer haben wollte, wenngleich man bis dahin von ihrer Existenz noch gar nicht wusste. Früher war es ein Kistchen, später wurden es Kisten, irgendwann reichte der Platz auf der Terrasse dafür nicht mehr aus und es musste in Topflager her. Man schankt dann zwischen dem beruhigenden Gefühl, immer noch ein paar Pflanzen vorrätig zu haben, wenn einen die blinde Pflanzwut gerade einmal wieder überfällt und dem schlechten Gewissen wegen der fortwährenden Frage "wohin nur damit?!". Die Ausmaße werden einem in der Regel immer dann besonders eindringlich bewusst, wenn Besucher nach dem Pflanzenverkauf fragen.

Das überquellende Topflager ist nun lediglich das eine Problem. Das andere sind diese pflanzlichen Wüstlinge, die schon einen Platz im Beet bekommen haben und nicht im Traum daran denken, dort sitzen zu bleiben. Die sich vorantasten und erst mit der einen Pobacke, dann mit dem ganzen Laubbusch, die schüchternen Beetnachbarn einfach wegschubsen. Und dann geht das Rausreißen los und das Plätze tauschen und das (nicht-vorhandene)-Lücken-Suchen und Wiederbefüllen gerade entstandener Lücken, weil man die Wüstlinge in die Schranken ge- oder des Platzes verwiesen hat. Dieses Spiel wird inzwischen ganz liebevoll und treffend "Pflanzentetris" genannt.

Diese Pflanzaktionen, die mit einem kleinen 9er Topf beginnen, den man auf der Suche nach einer winzigen Lücke zunächst zwei bis fünfzehn Mal durch den Garten trägt, an mindestens 13 Stellen zur Probe hinstellt und abends doch erst einmal wieder ins Topflager räumt, kann sich ähnlich entwickeln wie der berühmte Flügelschlag des Schmetterlings, der zum Orkan führt. 

Um Pflanze A in die Erde zu bringen, muss Pflanze B aus dem Beet ausziehen. Sie würde ohnehin viel besser an jene Stelle passen, an der gerade C und D stehen. Gesagt – getan. Während man nun aber bereits mit zwei Pflanzen in der Hand den nächsten Gartenmarathon läuft, fällt einem auf, dass dieser riesige Trumm von E schon längst rausfliegen sollte. Und bei der Gelegenheit können auch gleich F und G die Plätze tauschen. In die neue, große Lücke würde neben H sogar noch I bis T passen. Kurzerhand ist der Tagesplan über den Haufen geworfen, das gesamte Beet auf den Kopf gestellt, alles neu gepflanzt, angegossen, man setzt sich zufrieden auf die kleine Gartenbank und begutachtet das Tagwerk. Genau bis zu jenem Moment, wenn der Blick schweift und hängenbleibt - an den immer noch am Beetrand im Schatten liegenden, obdachlosen C und D, für die nun aber doch wieder kein Platz mehr ist... Es gibt da diesen sehr ähnlichen Moment beim Tetris, wenn der Klotz auf einmal nicht mehr in die Lücke passt, weil man ihn nicht schnell genug gedreht hat...

Und täglich gelobe ich zumindest mir selbst Besserung und murmele das mantraartig vor mich hin, während ich mich bereits auf den nächsten Pflanzenmarkt am kommenden Wochenende freue und die Sortimentslisten zum zweiten Mal durchstöbere. Ich habe auch nur ganz wenige Pflanzen vorbestellt... ;o)

Sonntag, 27. März 2016

Osterspaziergang im Garten

Die letzten Wochen haben es ziemlich spannend gemacht, wann denn nun der Frühling wohl kommen mag. Viele Schätze sind im vergangenen Jahr neu in die Beete gezogen und beinahe jeden Tag sucht man akribisch die Pflanzstellen ab, in der Hoffnung, endlich ein Lebenszeichen zu entdecken.

Durch die kühlen Temperaturen gab es eine herrlich lange Schneeglöckchenblüte. Lenzrosen (Helleborus), Märzenbecher (Leucojum) und Krokusse gesellten sich dazu.

Beim täglichen Streifgang merkt man auch, wieviele Tiere sich im Garten zuhause fühlen, wenn man ihnen nur die Gelegenheit dazu lässt. Während ich gestern den ersten Blindschleichen dieser Saison begegnete, war es vor einigen Tagen ein ganz außergewöhnlicher Geselle. Unser kleinstes einheimisches Raubtier, das Mauswiesel ließ sich am Kompostplatz blicken.

Mauswiesel (Mustela nivalis)


Nachdem es nun einige warme Tage gab, scheint der Garten förmlich zu explodieren. Lerchensporn und Scharbockskräuter, Anemonen und Leberblümchen sind "ganz plötzlich" da, viele Schattenstauden zeigen, dass für sie der Winter vorbei ist und sie nun auch zeigen wollen, was sie an Blüten zu bieten haben. Viele von ihnen trumpfen im zeitigen Frühjahr mit herrlichem Austrieb und leuchtenden Blüten auf. Sie müssen die Zeit nutzen, bis sich das Blätterdach der Bäume über ihnen schließt.

Und da die Schneeglöckchen so lange durchgehalten haben, gibt es herrliche Bilder in den Beeten.



Anemone ranuncoloides 'Avon' - ein gelbes Buschwindröschen, das noch vor den heimischen seine Blüten öffnet.

Anemone ranuncoloides 'Avon'

Anemone blanda bekommt man häufig im Herbst als kleine Knollen zu kaufen. An zusagenden Standorten bestocken sie sich gut und säen sich auch zahlreich selbst aus. Neben der blauen Form gibt es auch weiße und rosafarbene.

Anemone blanda

Anemone blanda

Lenzrosen (Helleborus x orientalis) gibt es in einer schier unglaublichen Farbenvielfalt. Jedese Jahr ist man auf's neue Überrascht, welch herrliche Blüten die Sämlingspflanzen hervorbringen. Die zeitigen Exemplare litten dieses Jahr unter den zwischenzeitlichen tiefen Frösten, die den Blüten zum Teil schwer zusetzten. Viele spätere Exemplare machen das aber wieder gut. 

Helleborus x orientalis

Helleborus x orientalis

Rotblühende Helleborus geben einen herrlichen Kontrast zu den Schneeglöckchen und Krokussen. 


In den letzten Jahren habe ich nicht nur einige Tausend Schneeglöckchen (Galanthus nivalis), sondern auch zahlreiche Krokusse in den Beeten und dem Rasen verteilt. Inzwischen bestocken sie sich recht gut und breiten das bunte Treiben in den Beeten bis in den Rasen aus.


Zu den Schattenpflanzen, die recht früh im Jahr mit herrlichen Blüten auftrumpfen und einen Platz in den Beeten undbedingt verdient haben, zählen für mich die Zahnwurze (Cardamine). Wenngleich ein Namensdurcheinander bei vielen Händlern herrscht und manchmal nicht aus dem Topf kommt, was auf dem Schild steht, lohnt es sich, nach diesen Schmuckstücken Ausschau zu halten.
 
Cardamine glanduligera - auch das Laub beeindruckt im Austrieb

Cardamine quinquefolia - blüht hier als erstes und wächst kräftig

Cardamine kitaibelii - eine der schönsten Zahnwurze, mit hellgelber Blüte

Leberblümchen sind hin und wieder sogar noch in unseren Wäldern zu finden. Im Frühlingsgarten dürfen sie nicht fehlen. Ihre Farbpalette reicht von weiß über rosa bis zu verschiedenen Blautönen.



Hepatica nobilis 'Typ Sanssouci' - vorn Erythronium dens-canis

Hepatica nobilis 'Typ Sanssouci'
Ebenfalls unverzichtbar sind die Lerchensporne. Von Corydalis solida gibt es inzwischen zahlreiche herrliche Farbauslesen von Weiß, über Rot bis zu dunklem Violett. Sie tauchen im Frühjahr "plötzlich" aus der Erde auf, schießen ein kleines Farbfeuerwerk ab und ziehen dann auch alsbald wieder ein.

Corydalis solida 'G.P. Baker'
 
Corydalis solida

Corydalis malkensis - eine weißblühende Art


Schon früh zeigen sich die Pfingstrosen (Paeonia), allen voran die Wildarten. Schon mit ihrem auffälligen Austrieb setzen sie Akzente und sind dabei noch recht unbeeindruckt von eventuellen Spätfrösten.

Paeonia mlokosewitschii
Nicht zuletzt die Narzissen stimmen nun in diesen Blütenreigen ein. Pünktlich zu Ostern sorgen sie für gelbe Farbtupfer.

Narcissus 'Tête à Tête'

Wenn man einmal den Blick kurz aus den Beeten hält und sich ganz auf das Gehör konzentriert, wird man merken, dass nicht nur die Pflanzen vom Frühlingsbeginn künden. Die Vögel singen um die Wette, kleine Meisenhähne bemühen sich um die schönste Bruthöhle und die Singdrossel schmettert weithin hörbar ihre Melodie.  Wenn das keine eindeutigen Zeichen sind, dass der Winter vorbei ist!

Amselhahn

 Ich wünsche allen Frohe Ostern und viel schöne Stunden im Garten!

Sonntag, 17. Januar 2016

... und in der Hauptrolle: Miscanthus

Als ich zu diesem Blog animiert wurde, ging es unter anderem darum, dass ich den letzten Jahren viele größere Projekte im Garten umgesetzt habe, die es verdienen, dass man ihre Entwicklung verfolgt.
Wenn man nun an langen Winterabenden die vielen Gartenbilder durchstöbert, staunt man hin und wieder selbst, wie schnell eine Neuanlage etwas hermachen kann.

Noch im vorletzten Jahr gab es im oberen Gartenteil noch ziemlich viel Wiese. Weil es mir die Gattung Miscanthus mit all ihren Sorten angetan hatte, keimte irgendwann der Gedanke an ein Gräserbeet.



Neun Sorten ('Krater', 'Makramee', 'Werner Neufliess', 'Vorläufer', 'Veitshöchheim', 'Graziella', 'Ghana', 'China' und 'Haiku') hatte ich zunächst in der engeren Auswahl. Und nicht nur aufgrund ihrer Größe sollten sie neben einigen anderen Gräsern (Calamagrostis spec. 'Korea', diverse Pennisetum) die Hauptrolle in diesem Beet übernehmen.

Die restliche Pflanzengesellschaft ist ein Mix aus Planung und Sammlung. Viele bereits vorhandene Stauden, die noch keinen oder den falschen Platz hatten, aber auch solche, die schon länger auf dem Wunschzettel standen, sollten einziehen. Diverse Paeonien, Amsonia. Astern, Chrysanthemen, Hemerocallis, Phlox, Eremurus, Salvia, Bergenien und anderes sollten sich zu den Gräsern gesellen.

Ergänzt werden sollten die eine oder andere rotlaubige Dahlie ('Bishop of Dover', 'Bishop of Lancester'), Nepeta, Alchemilla mollis und weitere Füllstauden.

Das Beet hat eine maximale Länge von 9 m bei einer Breite von 4 m im "oberen" Bereich am Teich und bis zu etwa 7 m im unteren Bereich.
Beetpläne am Reißbrett zu erstellen fällt mir nun in der Regel schwer - ich bin eher visuell veranlagt. So habe ich die grobe Form zunächst vor Ort mit einem Schlauch markiert, vorhandenes positioniert, geplantes mit Platzhaltern ersetzt und dann fleißig hin und her geschoben.




Anschließend ging es daran, zunächst den Umriss abzustechen und wieder fleißig Grasnarbe zu roden - eine Arbeit, bei der ich für unseren leichten Sandboden doch recht dankbar bin.






 Es hat nun allerdings einiges an Erde gefehlt, zudem ist der Boden in diesem Bereich relativ stark verdichtet, da dort viele Jahre langgelaufen wurde und ich während der Arbeiten mit dem kleinen Traktor drüber gefahren bin. Also musste ein weiteres "Männerspielzeug" hervor geholt werden.

Mit der Gartenfräse wurde der Boden tief durchgearbeitet, anschließend drei Kubikmeter Komposterde darauf verteilt und diese dann nochmals mit der Fräse eigearbeitet.




Deutlich sichtbar sind hier nun auch die Hängeulme sowie der Schneeflockenstrauch (Chionanthus retusus), die an ihrem ursprünglichen Platz stehen blieben und zunächst in das Beet integriert werden sollten.




Dann wurd es ernst. Alle alle Töpfe, die schon einmal Probe standen, wurden zum Beet gebracht, zusätzlich alles weitere, das ich mir darin vorstellen konnte.




Der Plan, den ich bei der ersten Stellprobe notierte, diente allenfalls noch als grobe Orientierung. Nur etwa die Hälfte der Stauden kam wieder auf den vorgesehenen Platz. Alles andere wurde geschoben, gerückt, umgestellt... spontane Beetgestaltung, wie ich sie am besten kann.






Zu den getopften kamen einige Stauden aus anderen Beeten. Helianthus, Lychnis chalcedonia (ja, ich habe diese Knaller mit Brüllfarbe ganz bewusst wieder im Beet verteilt), Verbena bonariensis, Stachys byzanthina, Asphodeline, Bergenien, Salvia, Verbascum, um nur einige zu nennen. Ich ließ letztlich sogar Anemone robustissima und Lysimachia punctata frei.
Nach dem Pflanzen bot sich ein Bild, das mich doch zum Schmunzeln brachte.





Nach dem Aufräumen wurde durchgezählt: 143 leere Töpfe sammelte ich ein, dazu kamen 90 Liatris-Knollen und etwa 10 Dahlien. Überhaupt nicht erkennbar sind derzeit die insgesamt 130 Liatris spicata, die ich auf der kompletten Beetfläche verteilte (90 Knollen, 40 getopfte).
Zu diesem Zeitpunkt sollten noch einige Gräser, Amsonia, Perovskia und Astern hinzukommen, später einige vorgezogene Spinnenblumen und Bronzefenchel sowie weiße Cosmea.
Im Ergebnis war das Beet sehr voll (wenn das auch noch nicht sofort sichtbar war) - genau das war jedoch auch beabsichtigt, um dem Unkraut von vornherein möglichst wenig Chancen zu lassen.  Einige leere Töpfe dienten noch als Platzhalter für künftige Stauden.




Nicht verheimlichen darf ich an dieser Stelle den großen Berg gerodeter Grasnarbe, der sich auf einer Fläche von ca. 3x4 m erhob.


Drei Wochen später konnte man dann auch schon erkennen, dass tatsächlich Pflanzen im Beet stehen.




Weitere sechs Wochen später konnte man bereits von einem Beet sprechen.




Im Detail betrachtet zeigten sich dann schon herrliche Impressionen. Mit Einjährigen (Cosmea) oder Zweijährigen (Verbascum) lassen sich tolle Effekte erzielen. Das rote Laub der Dahlien kontrastierte herrlich mit den zahlreichen Gelbtönen.






Über das Jahr hinweg habe ich das Beet aufmerksam betrachtet und mir auch immer wieder Gedanken gemacht. Zum Herbst reifte dann der Entschluss, die Hängeulme, die letztlich doch wie ein großer, dunkelgrüner Fremdkörper in diesem Beet wirkte, zu entfernen. Die Lücke füllte ich unter anderem mit einer Rose ('Mozarts Lady') und Miscanthus 'Aldebaran'. Zudem setzte ich ca. 400 Tulpen- und Narzissenzwiebeln in einer Farbkomposition aus violett, rosa und weiß in das Beet.

Nach dem Staudenrückschnitt im ausgehenden Winter zeigte sich dann im Februar 2015 dieses Bild.



 Das - im bepflanzten Beet doch recht aufwändige - Setzen der zahlreichen Tulpen hat sich überaus gelohnt.





Im zweiten Jahr zeigte sich das Beet nun schon sehr gut eingewachsen. Die Miscanthus waren als solche auch zu erkennen, die Astern hatten sich gut bestockt und es erwies sich als gute Entscheidung, den Königskerzen ein wenig ihren freien Lauf zu lassen. Sie gingen zahlreich in der eingebrachten Komposterde auf und ich entfernte nur jene, die wirklich störten oder andere Stauden bedrängten. Insbesondere sie waren es, die der extremen Trockenheit im Frühsommer zeigten, was eine Harke ist und gaben dem Beet (hier Ende Juli) eine üppige Struktur.


Im Herbst nun zeigten sich nun endlich die Hauptakteure in Blüte - es geht nichts über blühende Miscanthus.







Ich freue mich jetzt schon auf den Anblick, den die Gräserhorste in 2-3 Jahren bieten werden. Erfreut war ich vor allem darüber, dass dieses Beet viele Besucher der Offenen Gärten ermutigt hat, mehr Gräser in ihren eigenen Gärten verwenden zu wollen. Zu Recht! Und an dieser Stelle auch der Hinweis, den Staudenschnitt nicht zu früh durchzuführen. Ein Garten muss nicht immer "aufgeräumt" sein. Und man würde sich so mancher Impression berauben, wenn man zu früh die Schere ansetzt.





Nun ist es eine Fülle an Bildern geworden und doch zeigen sie nur einen kleinen Ausschnitt von der Enstehung des Beetes. Und so wie es sich weiter verändert, werde ich sicher weiter von seiner Entwicklung berichten.